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Version 1.07.03
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2007 ff.
 

Waldfeucht 1913 - Haus Paulis

Im Zusammenhang mit Denkmalpflegearbeiten in Gangelt während der Jahre 1912 und 1913 sind wahrscheinlich auch Arbeiten oder zumindest Vorarbeiten in Waldfeucht zu sehen.Waldfeucht liegt nördlich von Aachen am westlichen Rand Nordrhein-Westfalens. Zumindest hatte der zuständige Denkmalpfleger Paul Thomas in seinem Skizzenbuch einige Seiten mit Angaben zu dem “Haus Pauli” in Waldfeucht angefertigt.

Die im Skizzenbuch von Thomas - gelagert im Planarchiv des Rheinischen Amtes für Denkmalpflege in Brauweiler - enthaltenen Zeichnungen werden nachfolgend wiedergegeben. Die genaueren Zusammenhänge bedürfen noch der weiteren Aufklärung, sofern darüber überhaupt noch Dokumente vorhanden sein sollte. Durch die dankenswerte Vermittlung von Manfred Rulands vom örtlichen Historischen Verein ist es gelungen, einige Informationen zu dem Haus Paulis, wie es richtig heißen muß, herauszubekommen.
 

Waldfeucht -1 ZLZ%+

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Eine Anfrage bei Manfred Rulands vom - im Internet (hist-waldfeucht.de) vertretenen - Historischen Verein Waldfeucht führte zu einer Reihe ausführlicher Recherchen, die zwar nicht den unmittelbaren Anlass für die Zeichnungen von Paul Thomas erhellen, aber andererseits die historische Bedeutung des Waldfeuchter Gebäudes aufzeigen konnten.

Beide Häuser, also das Haus Paulis [nicht Pauli, wie in der Zeichnung von Paul Thomas irrtümlich angegeben] und das (in einer Zeichnung erwähnte) Haus Reiners, waren bereits 1904 im von Paul Clemen herausgegebenen Verzeichnis der „Kunstdenkmäler der Kreise Erkelenz, Geilenkirchen,Heinsberg“ verzeichnet. Beide Häuser wurden im 2. Weltkrieg zerstört und das Haus Paulis verändert wieder aufgebaut.
 

Haus Paulis

In einer Festschrift zum Dekanatsschützenfest 1953 wird berichtet, das auf dem Grundstück des nachfolgend in seiner Geschichte beschriebenen Hauses Paulis in alter Zeit das Schlosserzunfthaus gestanden habe. Es handelt sich im Jahre 2009 um das Grundstück Brabanterstrasse 67 in Waldfeucht.

Die Namensgebung bedarf zunächst einer Klärung, um bei den nachfolgenden Dokumentenauszügen die Verwirrung in Grenzen zu halten:

Das „Haus Paulis“ war ursprünglich das Haus der Familie Leonaerds. In Aufzeichnungen eines Herrn Packenius aus dem Jahr 1970 wird berichtet, dass die Familie Leonaerds in Waldfeucht zwei Häuser besaß, das Haus Nr. 522 und das in unserem Zusammenhang interessierende Haus Nummer 23. Dieses wurde dann von Familie Paulis („Haus Paulis“) und später in den 1920er Jahren von Familie Thevissen („Haus Thevissen“) übernommen- die Bezeichnung der Häuser wechselte also und auch der Gebrauch der Bezeichnungen. In den Packenius’ Notizen aus 1970 heißt es:

„Im Haus Nr. 23 wohnte [um 1800] der Rechtsanwalt Dr. Johann Franz Anton Leonaerdts mit seiner Familie.

Haus Thevissen [gemeint ist also das Haus Paulis] war ein stolzes Gebäude, das aus der Fluchtlinie zum Steinweg hin vorsprang und sich hier im Erdgeschoss in sogenannten Korbbögen öffnete, auf denen die Vorderfront des mächtigen Gebäudes ruhte. Unter dem [ursprünglichen] Bogengang stand nach der Überlieferung in alter Zeit die Stadtwaage, auf der die Mühlenkarren ihr Gemahl wiegen mussten. Bei dem Haus stand früher auch eine Zehntscheuer.

Beide Häuser wurden im letzten Krieg durch Bomben und Granaten zerstört.“ [Quelle: Aufzeichnungen Packenius, S.76, 1970, Historische Verein Waldfeucht 2009]

Zum Haus Paulis heißt es bei der Denkmälerliste des Jahres 1904 bei Clemen:

„Haus des Herrn Albert Paulis, in der Hauptstrasse, zweigeschossig, mit drei Achsen und hohem einfachen Giebel nach der Straße. Der Bau, der aus der Fluchtlinie vorspringt, öffnete sich ursprünglich im Erdgeschoss mit Korbbögen; das Obergeschoss hat Blendengliederung. An der Langseite ein viereckiger, vortretender Treppenturm, jetzt ohne Treppe. Das Innere zeigt im Keller auf einem schweren Mittelpfeiler aus Hausteinen schwere spätgotische Gurtgewölbe. Im übrigen ist das Innere im 18. Jh. ganz umgebaut worden; im Erdgeschoss straßenwärts ein Saal mit großem Rokokokamin, im Obergeschoss ein kleines Zimmer mit gemalten Leinwandtapeten“ [Quelle: Paul Clemen, Kunstdenkmäler der Kreise Erkelenz, Geilenkirchen, Heinsberg, 1904 – vermittelt durch Historischen Verein Waldfeucht]

Die Familie Paulis war eine vermögende alteingesessene Familie aus Horst bzw. Waldfeucht. In unserem Zusammenhang ist von Interesse, dass der Großvater des ersten Paulis im Haus Brabanterstrasse 67 Martin Paulis 1746 in Horst geboren wurde und der Vater Johann Peter Paulis 1774 ebenfalls in Horst. Gottlieb Pantaleon Hubert Friedrich Paulis wurde 1824 in Waldfeucht geboren und starb 1886. Er war Holz und Kohlehändler. Mit seiner Frau hatte er acht Kinder

Gottlieb Paulis’ Sohn Albert Michael Heinrich Paulis lebte ebenfalls im Haus Brabanterstrasse. Er wurde 1863 geboren und starb 1923 und hatte in zwei Ehen sieben Kinder. Er war, so die Chronik „ein echtes Original“ und hatte die Lateinschule in Heinsberg besucht. Über seinen Beruf ist nichts bekannt.

Manfred Rulands vom Historischen Verein Waldfeucht berichtete nach eigenen Recherchen über den Übergang von Paulis zu Thevissen: 

„Die Familie Thevissen hat das Haus in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts von der Familie Paulis gekauft.

Die Weltwirtschaftskrise hatte das deutsche Geld 1923 wertlos gemacht. (Thevissen) hatte aber eine Menge an holländischen Gulden, die noch einen gewissen Wert hatten. Einige Waldfeuchter Familien besaßen holländisches Geld, weil sie z. B. Grundstücke in den Niederlanden besaßen oder das Geld auf einer holländischen Bank angelegt war. Waldfeucht war und ist bis heute ein Grenzort zu den Niederlanden. Der Vorfahre des Herrn Thevissen muss wohl gesagt haben: " Von den Gulden kaufe ich mir das größte Haus in Waldfeucht". Er besaß vorher ein kleineres Haus ebenfalls wie heute auf der Brabanter Str.“ [Quelle: Manfred Rulands 27.5.2009].

Wie der, den „ZeitLebensZeiten“ freundlicherweise überlassenen Hauschronik von Franz Thevissen zu entnehmen ist, wurde das Haus am 12. 12. 1944 von einer Bombe getroffen und zerstört.

“Nach dem 2. Weltkrieg wurde nur die Front dem alten Haus angepasst. Es ist ein neues Haus mit völlig anderen Räumlichkeiten entstanden. [Quelle: Manfred Rulands 27.5.2009]

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Haus Reiners

Das Haus Reiners ist in der Zeichnung nur am Rande angesprochen, es wird nicht recht klar, in welchem Zusammenhang. Für spätere Generationen, die sich die Mühe der Anfangs-Recherche dann sparen können, hier die Angaben, die Manfred Rulands vom Historischen Verein Waldfeucht zu verdanken sind: „Das Haus Reiners ist heute ein unscheinbar kleines Häuschen. Das alte Gebäude wurde im Krieg völlig zerstört.“

Im Clemen-Denkmälerverzeichnis von 1904 heißt es knapp:
„Gastwirtschaft Reiners in der Hauptstrasse; zweigeschossig, die Fenster im Erdgeschoss früher mit Fenstersprossen, jetzt einfach rechteckig. Das Obergeschoss mit Blendengliederung und Klötzchenfriesen, daran in Eisenankern; ANNO 1626“ [Quelle: Paul Clemen, Kunstdenkmäler der Kreise Erkelenz, Geilenkirchen, Heinsberg, 1904 – vermittelt durch Historischen Verein Waldfeucht]

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In einem Foto, das auch noch das ebenfalls im 2. Weltkrieg zerstörte Obertor zeigt, ist das Haus Reiners links zu erkennen

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Falls Paul Thomas im Jahre 1913 die Besitzer der Schankwirtschaft Reiners getroffen haben sollte, wären Ludwig Reiners und seine Frau Elisabeth, genannt Diris, seine Gesprächspartner gewesen:

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Das Schicksal der Familie Reiners ist aufgrund der weiteren geschichtlichen Entwicklung tragisch: Das Ehepaar hatte sieben Kinder. Die Mutter starb am „Weihnachtsmorgen 1939“ wie es in einer Anzeige heißt. Gegen Ende des 2. Weltkrieges, am 17. Januar 1945 starben der Vater und zwei Töchter bei einem Luftangriff in ihrem zusammengestürzten Haus.