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Version 1.07.03
© ZeitLebensZeiten
2007 ff.
 

Peter C. Strunk - Joh.Hammerschmidt
Strunk+ % 001

STRUNK Peter Carl-36 wurde am 08. September 1810 in Unterbarmen geboren. Er erhielt am 18. September 1810 in Luther.Gemeinde Unterbarmen die Kleinkindtaufe.

Die Beurkundung der Geburt wurde durch das Standesamt Barmen, genauer durch Wilhelm Osterroth, dem „zweiten Beigeordneten der Mairie des Kantons Barmen“ vorgenommen. Sie besagt, dass „der Färber Johann Peter Strunk“, in der „Unterklagen Rotte wohnhaft“, angezeigt habe, dass ihm seine Frau am 8. September „nachmittags um halb vier ein Sohn geboren sei“. Zeugen bei der Anzeige waren „der Schuster Johann Heinrich Niermann, vierzig Jahre alt, und der Handlungsdiener Johann David Leve, vierunddreißigjährigen Alters“.

Peter Carl heiratete in erster Ehe HAMMERSCHMIDT Joh.Wilhelmine-37 Tochter von HAMMERSCHMIDT Johann Caspar-74 und RINGEL Anna Katharina-75 am 18. Mai 1846 in Wupperfeld. Joh.Wilhelmine wurde am 23. Januar 1815 in Barmen geboren. Sie erhielt am 01. Februar 1815 in Evg.luth.Gemeinde Wupperfeld die Kleinkindtaufe.

Die Beurkundung ihrer Geburt ist ebenfalls im Standesamt Barmen erhalten, allerdings ist Barmen nun kein Kanton mehr wie fünf Jahre zuvor. Am 25. Januar 1815, also zwei Tage nach der Geburt erschien „der Schullehrer Johann Caspar Hammerschmidt, wohnhaft in Rittershausen“ und zeigte die Geburt an. Zeugen waren Johann Ferdinand Dahl, Sprachlehrer, wohnhaft in der Gemarcker Rotte, und Johann Arnold Herberts, Schreiber, wohnhaft in der Brucher Rotte.

Zur ersten Ehe von Peter Carl Strunk mit Johanna Wilhelmine Hammerschmidt liegt das entsprechende standesamtliche Dokument vor. Bei der  Ehe-Zeremonie waren anwesend: Der Färber Friedrich FerdinandDiekerhoff, 21 Jahre alt, der Schumacher Friedrich Wilhelm Metzler, 44 Jahre alt, der [?] Carl Fiege, 55 Jahre alt, und [?] Johann Conrad Herkenbach, 64 Jahre alt – „sämtliche Zeugen sind verwandt oder verschwägert“...


Die Nachkommen

Peter Carl und Joh.Wilhelmine hatten die nachfolgend aufgeführten Kinder. Alle kursiv gesetzten Zitate aus Hermann Strunk: Die Firma Carl Strunk, (handschriftliches Manuskript 1908, in Maschinenschrift übertragen, Privatsammlung MWT). Es handelt sich also bei den Zitaten um Äusserungen von Hermann Strunk über seine Geschwister.

 

STRUNK Richard-333 . Über Richard Strunk ist nicht mehr bekannt als das folgende Zitat:
„Richard, ein in der Schule und in den Sprachen sehr begabter Junge, der sich auch in der Lehre bei Dr.Bredt-Rätel Söhne so bewährte, dass die Prinzipals ihn während der Lehrzeit eine Gratifikation von RM 300.- gewährten und auch Vater nach seinem Tode dieselbe Summe überbrachten. Er starb 19 Jahre alt bei eben beendeter Lehre an Unterleibsentzündung.“ 

STRUNK Auguste-334 .„Auguste, starb klein an Stickhusten“

STRUNK Hermann-10. wurde am 28. Februar 1851 geboren. 

STRUNK Bertha-335 „Bertha, spätere Ehefrau Wilhelm Hardt, lebt noch in guten Verhältnissen in Krefeld. Als älteste Tochter wurde sie mit mir besonders in die später unten geschilderten schweren Zeiten hineingezogen“.

 

Hardt Strunk ZLZ %
Emma Strunk 336a ZLZ %

STRUNK Emma-336. starb 1903. „Emma, führte nach Bertha’s Verheiratung lange dem Vater Carl den Haushalt, wohnte dann mit Bruder Johannes zusammen und starb 1903 tief betrauert von uns Geschwistern und allen Nichten und Neffen, für die sie allzeit offenes Herz und Hand hatte.“ 

STRUNK Maria-337. Maria heiratete EIGENBRODT Ernst-526. „Maria, spätere Ehefrau Ernst Eigenbrodt, der ca-20 Jahre eine Lederhandlung in Cassel betrieb,aber infolge der schlechten Geschäftslage für die Schuhmacherei nicht recht damit fertig wurde, was Vater sehr viel Ärger machte, um so mehr als Maria sein besonderer Liebling war. Kurz vor seinemTode kaufte Schwager Eigenbrodt eine Mehlmühle in Herzhausen b/Corbach, die der Schwester und ihren Kindern eine befriedigende Existenz sicherte“.

 

STRUNK Adolph-338 „Adolf,der nach Absolvierung der Realschule 1 ½ Jahre in unserem Geschäft tätig war, dann aber plötzlich an Magenoperation starb“ 

 

 

Peter Carl Strunk heiratete in zweiter Ehe FEISEL Bertha-740 1867 in Barmen. Zu Bertha Feisels Vorfahren liegen keine Informationen vor. Bertha starb 1870.

„Im Jahre 1865 starb die erste Ehefrau, mit der Carl Strunk in recht glücklicher Ehe gelebt hatte, nach längerem schweren Kranksein an Magenkrebs.1867 verehelichte sich Vater wieder mit Bertha Feisel. Aus dieser zweiten Ehe stammen zwei Kinder...Bertha Feisel starb 1870 an der Nierenkrankheit.“

 

 

 

 

Peter Carl Strunk hatte in seiner zweiten Ehe mit Bertha Feisel die folgenden Kinder:

STRUNK Johannes-741 wurde am 08. Januar 1868 geboren. „Johannes Strunk trat später in die Firma Carl Strunk ein und war eine der wesentlichen Stützen der Firma“. [Siehe auch unter Hermann Strunk ]

STRUNK Martha-742 wurde 1870 geboren. „Martha starb 18 Jahre alt 1889 an Nervenfieber“ 

Strunk EigenbrodtZLZ %
Bertha Feisel ZLZ %
Johannes Strunk 741 und Martha Strunk 742 auss ZLZ %

 

Die Firma Carl Strunk

Es ist ein außerordentliches Glück, dass der Sohn von Peter Carl Strunk, Hermann Strunk, der die Firma weiterführte, die Geschichte der Firma im Jahre 1908 aufgeschrieben hat. Eine Kopie des handschriftlichen Skriptes sowie eine maschinenschriftliche Abschrift sind erhalten. Sie wurden verglichen, in die für die Familiengeschichte Strunk passende Schrift und Form transferiert und als Dokument insgesamt ausgewertet.

Die nachfolgenden Passagen bis etwa zum Übergang zur Familie Hermann Strunk sind unveränderter Originaltext und durch die Kursivsetzung entsprechend erkennbar. Kommentare und Ergänzungen zu dieser Chronik sind in der normalen Schrift gesetzt. Durch den unveränderten Abdruck ergeben sich für einzelne Passagen, die in anderen Zusammenhängen ausgewertet wurden, Wiederholungen. Der zweite Teil der Chronik wird unter Hermann Strunk wiedergegeben.

 

„Die Firma Carl Strunk, ihre Entstehung und Entwicklung
Zusammengestellt von Hermann Strunk im April 1908.

 

Auf meinem letzten Krankenlager kam mir der Gedanke, es würde von Interesse sein, wenn ich das, was mir über die Entstehung und Entwicklung des Geschäftes bekannt sei, und niederschriebe besonders, damit unsere Nachkommen erfahren mit welch’ bescheidenen Mitteln mein seliger Vater angefangen und mit welchen Schwierigkeiten wir zu kämpfen gehabt haben; die Jugend glaubt doch immer früher sei es viel leichter gewesen ein Geschäft zu gründen und weiter zu bringen als heutzutage.

Es ließ sich bei dem engen Zusammenhang der Verhältnisse nicht vermeiden ein gutes Stück Familiengeschichte mit da hinein zu bringen, was aber auch nicht uninteressant sein dürfte.

Der Gründer der Firma, mein Vater Carl Strunk wurde am 8.September 1810 als der Sohn eines Färbers, der von Dortmund nach Barmen gezogen war, geboren.

Er war, wie man an dem Bild auf dem Komptoir schon sieht, ein schlichter, ernster Mann. Widerspruch konnte er schlecht vertragen und regte sich dadurch leicht auf. Wir Kinder hatten deshalb großen Respekt, ich möchte wohl sagen, Furcht vor ihm.

Im Grunde genommen, war er aber ein wohl energischer, doch besonders im Alter seelenguter, lieber Mensch und für seine Person äußerst anspruchslos und bescheiden. Er besaß eine eiserne Gesundheit und hatte in seinem langen Leben nur sehr selten mit Krankheit zu tun.

Im Geschäft war er außerordentlich pünktlich, fleißig und von einer riesigen Arbeitskraft und Arbeitslust. Morgens Punkt 7 Uhr musste der Kaffee auf dem Tisch stehen, um ½ 8 ging’s an die Arbeit bis 12 Uhr und Mittags punkt ½ 2 wieder bis Abends ½ 8 mit einer Kaffeepause von ½ 4 - 4 Uhr. Bei Einkäufen verfuhr er sehr vorsichtig, fast ängstlich und nahm in der günstigsten Konjunktur nie über den gerade vorliegenden Bedarf resp. nur für das Geld, welches er zur sofortigen Zahlung in Händen hatte.

Er ging regelmäßig zur Kirche, gehörte einige Jahre zum Presbyterium und bis zu seinem Tode zur Repräsentation der Wupperfelder Gemeinde, an deren Wohl und Wehe er regen Anteil nahm.

Auch war er lange Jahre Mitglied der Vorstände der Wupperfelder Schule und der Wassersteuer Einschätzungs- Kommission.

Nach seiner Schulzeit war er bei einem Appreteur Wüster auf Wülfing (Ende der Wichlinghauserstrasse) tätig, diente in Saarlouis und ging als Unteroffizier ab; später wurde er zu den Unruhen in Baden eingezogen. Nach der Dienstzeit musste er gleich zu Langewiesche, einer kleinen Band- und Litzenfabrik und -handlung in Schwelm, am Brunnen gelegen, gekommen sein und dort später den Posten eines Werkmeisters resp. Fabrikanten bekleidet haben.

In späteren Jahren bekam er öfter Besuch von Herrn Franke aus Hamburg, Hardt, Kommerzienrat Wolf aus Mönchen-Gladbach - die damals als Kommis oder Reisende mit ihm zusammen gewesen waren und die ihn ebenso achtungsvoll als freundschaftlichst begrüßten, wie er sich überhaupt in seinem ganzen Leben allgemeiner Achtung erfreute.

Schon in den letzten Jahren seines Aufenthaltes in Schwelm fing er an mit seinen Ersparnissen hie und da Geschäfte für eigene Rechnung zu machen in der Weise, dass er Sonntags zu seinen Bekannten ging und ihnen Leinen und dergleichen allgemeine Konsum Artikel verkaufte - später besuchte er nur Schuhmacher und machte deren Bedarfs Artikel.

Eigentlich selbstständig muss er sich erst im Jahre 1845 gemacht haben, denn von hier ab lässt sich der Geschäftsumsatz nachweisen....-

  Die erste höchst bescheidene Wohnung der Eltern war Ecke der Stern- und Marktstrasse, das kleine zweistöckige Haus ist längst durch einen Neubau ersetzt. Hier hausten die 3 Brüder resp. Schwäger Carl & Fritz Strunk & Carl Ersing lange Jahre einträchtig zusammen. Fritz Strunk hatte eine Buchbinderei, Carl Ersing Bandstühle. Auch der alte Großvater Strunk lebte hier die letzten Jahre bei seinen Kindern, ich erinnere mich seiner aber nur ganz dunkel.

 Es waren schwere Zeiten, die die Familie hier - besonders in den unruhigen & Hunger-Jahren 1846-1850 - durchmachte, trotzdem soll Friede und Eintracht unter ihnen geherrscht haben. Vater [Peter Carl Strunk also] sprach oft und gerne von der Bürgerwehr 1848 und wie er als Unteroffizier einen Angestellten der angesehensten Bürger Wupperfeld’s in der Handhabung der Gewehr & sonstigen Exercitien unterrichtet habe von ihren Patrouillengängen u.s.w..

Sein Hauptabsatz muss derzeit wohl noch in Plüsch, Lasting und dergI. Schuhmacher Bedarfs Artikel bestanden haben, doch fabrizierte er auch schon etwas in Bändern, denn ich hörte später öfter einen von uns sehr hoch geachteten Herrn Friedrich Busch von Wichlinghausen, der uns lange Jahre regelmäßige, freundschaftliche Besuche machte, rühmen wie er den Vater stets fleißig auf Spulrad, Scherbock u.s.w. gefunden und wie treu ihn die Mutter unterstützt habe.“

Die Räume in der Sternstrasse wurden allmählich bei dem reichen Kindersegen für die 3 Familien doch zu eng und ließ sich Vater im Jahre 1859 oder 1860 von seinem Duzfreunde, dem Färbermeister Fritz Hasencleve überreden das Haus Stern u. Felsenstrassen Ecke nebst grossem Garten und einem kleinen Hinterhaus für 6 Jahre zu mieten und mit M 24000.- Vorkaufsrecht an Hand zu geben.

Wir bewohnten seIbst nur 3 Zimmer parterre sowie 3 Mansarden Räume, alles übrige wurde vermietet. Ich muss hier gleich bemerken, dass Vater, als Hasencleve später auf den Kauf drängte, zu ängstlich war dies Objekt, zu dessen Erwerb er gar kein Geld gebraucht hätte, zu erwerben – 30 Jahre später sind mindestens M 1oo.ooo-de herausgeschlagen worden. In den Jahren litt Vater zuweilen an Rheumatismus, sodass er genötigt war sich vorübergehend zum Kettenscheren, Rollen usw. einen Arbeiter zu nehmen, ich kann mir den Lulam August Fette heute noch lebhaft vorstellen - sonst hatte Vater die Manie alles, auch die geringste Arbeit, selbst tun zu wollen.

In den Jahren musste ich [also der Chronikautor und Sohn Hermann Strunk] schon öfter im Geschäft mit tätig sein, Rechnungen und Auszüge schreiben, besonders aber Band aufstecken & Spulen abspulen- in den Ferien gab es 50 Pfg. für 100 Str. Kattun zu spulen. Daher weiss ich auch, dass Vater Eisengarne, hauptsächlich billigere Sorten 13, 17, 21 von Leinen Eisengarn 24 Stahlriemen, Kepperbänder und etwas Stiefelbänder fabrizierte. Er hatte einen treuen Kunden in Hamburg, der außer diesen billigen Riemen viel 41 Litzen 80 teurem Zwirn Eisengarn für Klaviaturen von Holben bezog - es war immer ein Ereignis, wenn ein Auftrag davon einlief.

Familienarbeit in Peter Carl Strunks’ Firma

Nur ungern verließen wir Kinder die große schöne luftige Wohnung mit dem hübschen Garten und seinen Spalierbirnen. Wir zogen nach 3 Jahren in die verlängerte Wilhelmstrasse, wo wir ein kleines Haus allein bewohnten.

Nach 5 Jahren zogen wir dann wieder in die Sternstrasse Nr. 28, wo wir die erste und die halbe zweite Etage inne hatten. Hier erlebten wir ereignisvolle Jahre und den Tod der Mutter nach längerem Kranksein, den plötzlichen Tod Bruder Richard’s, die Zeit in der Cousine Emilie Peters, die spätere Frau Direktor Peters, dem Vater den Haushalt führte, meine [Hermanns] und Bertha’s Konfirmation, Emma’s Nervenzucken und schliesslich noch Vater’s Verlobung und Wiederverheiratung sowie die Geburt Johannes.

Strunk % 14Hier war es auch, wo ich 1866 als 15 ½ jähriger Junge nach Absolvierung der Realschule 1. Ord. bis zur Versetzung nach Prima auf Wunsch meines Vaters in das Geschäft eintrat. Zu der Zeit hatten wir in der Sternstrasse 2 Räume der zweiten Etage (ein sogenanntes Arbeitszimmer und eine Lagerstube) für Geschäftszwecke im Gebrauch, außerdem noch 2 schräge Speicherzimmer für Logis.

In den Arbeitszimmern wurde Band gerollt, gebunden und eingeschlagen, Ketten geschoren, gespult, Riemen geschnitten und eingeschlagen. Die Pakete wurden dagegen meist vom Vater im Wohnzimmer gepackt, Rechnungen etc. schrieb ich am Secretair im Fremdenzimmer, da auch die Bücher: Kladde ( oder Versandbuch ) Memorial, Hauptbuch und später auch Kalkulationsbuch sowie ein Handcopierbuch enthielt. Alles besorgten Vater und ich allein, Vater schor meistens die Ketten, rollte die Stiefelbänder, beim Schneiden der Riemen musste ich die Gros zusammenbinden, ich zog band ab, rollte Kepperband, band und schlug diese Bänder sowie Stiefelband ein.

Durch das viele krumme Sitzen auf dem Rollbock legte ich[Hermann] wohl damals schon den Grund zu dem Magenleiden, mit dem ich von da ab bis heute so viel zu kämpfen hatte.

Mit Schuhmacher arbeitete Vater schon derzeit nur noch unbedeutend. Er reiste mal ab und zu einige Tage nach Westfalen, auch bin ich einige Male nach Iserlohn, Hagen, Neuss und Glebe gewesen.

Das Geschäft in Holzstiften, welche Anfang der 60iger Jahre aufkamen (Vater bezog sie fassweise von Bremen und setzte sie Pfundweise wieder an Schuster ab) hatte zu der Zeit schon fast ganz aufgehört. Vater entschloss sich dann auch die Schuhmacher Artikel, deren Vertrieb, weil er sich neue Sorten nicht mehr zulegte, immer weniger geworden war, ganz dranzugeben.

Vater’s ältester Stiefelband-Wirker war ein gewisser Alhaus, der in einem kleinen Hause in der Nähe der Westkotten’s wohnte. Im Herbst durften wir Kinder regelmäßig einmal jährlich hinkommen um die Birnen zu schütteln und aufzulesen. Abends gab’s dann Eierkuchen und Rührei. Der Mann war außerdem Quacksalber, er machte Salben gegen Rheumatismus; dadurch kam er nur unregelmäßig zum Bandwirken, das ihm ohnehin bei seiner zunehmenden Korpulenz etwas sauer wurde. Ab und zu hatte er mal einen Gesellen. Später hörte er ganz auf zu arbeiten und ließ Vater einem gewissen Hillebrand einen neuen, ich glaube 20gängigen Bandstuhl machen, den dieser sich allmählich verdienen sollte. Anfangs klappte die Sache ganz gut, der Mann war froh eine eigene Existenz zu haben und heiraten zu können. Dann wurde ihm aber die Arbeit zu schwer und der Stuhl in der Wichlinghauserstrasse an den Dampf gesetzt. Das Drehen eines solchen mit ca.40 rn/rn breiten Bänder besetzten Stuhles war allerdings keine Kleinigkeit. Aber auch dort klappte es nicht, der Mann wurde liederlich und als schließlich die Fabrik abbrannte, stellte es sich heraus, dass die Versicherung seit ¼ Jahr nicht bezahlt war.

Schon als Junge musste ich, öfter als mir lieb war, zu diesen Arbeitern und einem anderen treuen Bandwirker Abraham Bechen an der Gosenburg in Heckinghausen gehen um Band, lose Scheiben und dergl. zu holen. Bechen machte Keppen und Schuheinsest und Bändchen, schwer, superfein und später auch halbseiden, in der Hauptsache aber das sogenannte extrafeine Kepperband. Anfangs arbeitete er ja nur zum Teil für uns, zum Teil für Lekebusch & Co. Der Mann stand sonst mit Leib und Seele für unser Haus und hatte mich schon ganz besonders in sein Herz geschlossen. Bei seinem Tode 1899 hatte er 52 Jahre für die Firma gearbeitet und sich sehr der Entwicklung gefreut.

Auch ein Bandwirker Jesinghaus setzte jahrelang seinen Stolz darein, uns die schmalen Damenstiefelbänder extra 1.Qualität zu machen. In einem Artikel haben wir nie Glück gehabt, das sind Eisengarnriemen. ln der Hauptsache lag es daran, dass man mit den Firmen, die sich speziell darauf geworfen, nicht mitkonnten, teils weil sie durch eigene Anklopferei oder auch Küsiererei wirkliche Vorteile uns voraus hatten, teils auch weil wir die scharfe Calculation nicht zu machen verstanden, denn die Anleitung die mein Vater darin gab, war schwach- er konnte sie eben selbst nicht besser.

Ich hatte auch nirgends Gelegenheit, mich darin zu vervollkommnen, sondern war auf die Praxis angewiesen. Erst später kam mir mal hie und da ein Buch in die Finger, welches mir über manche Sachen Sicherheit gab. Auch klebte Vater zu sehr am Alten, so schnitt er nach jahrelang die Riemen auf seine Weise, trotzdem er wusste, dass es einen viel einfacheren gab, mit dem man weit besser und flotter messen kann.

Unsere Kundschaft brauchte lange Zeit auch nicht viel Schnürriemen, weil Schnürschuhe nur wenig von Damen getragen wurden. Die anderen Fabrikanten boten aber auch eine solche Auswahl an Qualitäten, dass wir mit unseren vielleicht 20 Sorten weit zurückstanden.

Dass es für mich[Hermann] grünen Jungen von 16-17 Jahren mit dem bescheidenen, schüchternen Wesen keine Kleinigkeit war mit für uns neuen Geschäften Verbindungen anzuknüpfen, wird Jeder einsehen. Ich tat eben unentwegt, wenn auch oft mit Zittern und Zagen meine Schuldigkeit, teils aus Pflichtgefühl, teils aus Lust und Liebe zur Sache. Ich bildete mir etwas darauf ein Geschäftsreisen machen zu dürfen, wenn sie auch lange Zeit auf die Nähe beschränkt blieben, ich hoffte stets auf die Zukunft und rechnete stark damit in absehbarer Zeit auch weitere Reisen zu machen, um dadurch meinen Blick und Horizont zu erweitern, wozu mir ja sonst im väterlichen Geschäft wenig Gelegenheit geboten war.

Die Hauptabnehmer meines Vaters zu der Zeit waren einige Barmer und Elberfelder Grossisten in Schuhmacher Artikel sowie Lederhändler. Als ich ein Viertel Jahr im Geschäft war, fing ich an erst die Barmer und Elberfelder, dann auch die Düsseldorfer und Kölner Lederhändler und Grossisten, später die Wülfrater und Wermelskirchner Schaftfabrikanten aufzusuchen und dann auch regelmäßig zu besuchen und im Laufe der Zeit sind uns daraus sehr wichtige Verbindungen entstanden. Ein damals auch ziemlich wichtiger Konsum Artikel war Band, weil viel Plüschpantoffel getragen und diese in der Mehrzahl noch von den Schuhmachern gemacht wurden.

Konkurrenz

Wir hatten einen Bandwirker, der 2 Stühle darin betrieb,1/2 Stuhl später auch periodisch mehr lief für uns. Wir hätten aber ohne Schwierigkeit beide Stühle allein beschäftigen können, wenn die Ware besser gewesen wäre, sie war aber durchwegs nicht schön und fiel, sobald ein nicht ganz accurater Geselle auf dem Stuhl war, fehlerhaft aus.

Dies in Verbindung mit dem, im Verhältnis zur sächsischen Konkurrenz, hohen Preis erschwerte den Absatz ungemein, trotzdem wollte Vater kein sächsisches Band, sondern nur das eigene Fabrikat verkaufen, wohl mit dem Hintergedanken, dass doch in der Fabrikation noch ein geheimer Segen wäre. Erst als ein Elberfelder Grossist, mit dem wir regelmäßig arbeiteten, auf die Idee kam sich für den Artikel [unleserlich] Band besonders zu interessieren und sich als Fabrikant in Sachsen hinzustellen, während er in Wahrheit nur ein vorteilhaftes Abkommen mit einer sächsischen Firma getroffen hatte, kam in Gegenrechnung mit dieser Firma sächsisches Band, erst in halben, später auch in Dutzende ins Haus und damit war dann endlich der Bann gebrochen, besonders als auch der Bandwirker aufhörte (dieses) Band zu machen, weil absolut nichts mehr dabei aufzustocken und überhaupt keine Gesellen für diese Arbeit zu bekommen waren.

Schon früher hatte ich, um gute Ware zu bekommen, an einige gute sächsische Fabrikanten geschrieben, mein Vater unterschrieb die Briefe aber nicht und so musste ich mich bescheiden. Jetzt erlaubte er mir endlich, mich an C.G.Brückner & Sohn in Pulnitz zu wenden und haben wir erst jahrelang damit, dann bis heute mit der daraus hervorgegangenen Firma Paul Plister in beiderseitig angenehmer Verbindung gestanden und eine Reihe von Jahren recht hübschen Umsatz erzielt. Die Kundschaft hielt uns immer noch für Fabrikanten, besonders weil wir selbst viel aufmachten, wozu Schwester Bertha & Maria jahrelang heran mussten ..

Durch Erbschaft resp.Ankauf ging dann das Haus Luth. Kirchstrasse 9 von den Erben Feisel auf meinem Vater über. Es war sehr vernachlässigt und Speicher & Keller voll alten Gerümpels, das ich Vater wochenlang zu Brennholz verkleinern half. Ein hinter dem Hinterhaus stehender hölzerner Schuppen musste ganz von uns abgerissen und einige Jahre später eine Stubentiefe angebaut werden.

Wie in der Sternstrasse so verlebten wir auch in der Kirchstrasse in den ersten Jahren, ganz abgesehen von den Kriegsereignissen, eine recht harte Zeit. Kurz nach dem Einzug 1869 wurde unsere zweite Mutter nach der Geburt von Martha schon krank und starb nach 8 Wochen harten Leidens. Für die jungen Schwestern war es keine leichte Aufgabe Martha aufzupäppeln und den ganzen Haushalt zu besorgen. Wie es da oft herging bei den 7 Kindern im Alter von ¼ bis 19 Jahre, die noch zum Teil im Geschäft abspulen, Band anstecken mussten, dessen erinnere ich mich nur noch dunkel. Es war aber für alle Beteiligten eine schwere, ernste Zeit.

Im ersten Jahr ließ Vater von dem früheren Feisel’schen Specereiladen, also die Hausdiele, einen kleinen Raum für ein Komptoir abmachen. Um einen Kunden (L.G. Holtkoth in Barmen) der auch eine Möbelhandlung betrieb, wurde ein doppelsitziges Pult dafür bezogen und nach dem ich den ersten Winter darin gefroren, dann auch ein Öfchen hineingesetzt. Für Arbeits-& Lagerräume begannen wir mit 3 kleinen Zimmern in der 2.Etage und 2 Dachräumen. Die Wohnung bestand aus den 2 Stuben parterre mit dem Durchgang als Küche, einem Zimmer der ersten Etage und dem Speisezimmer - 3 Zimmer der 1.Etage und 2 Räume der 2.Etage waren vermietet, ebenso das Hinterhaus. Später zog Vater in die erste Etage, Komptoir und Fleckstube wurden in’s Parterre verlegt, noch später, nach Vaters Tode, als auch diese Räume nicht mehr genügten, wurde Komptoir & Packstube in die erste Etage verlegt und Vorder- mit Hinterhaus durch eine Brücke verbunden. 18?? wurden also schon alle Räume der Kirchstrasse zum Geschäft benutzt,19?? erst 2, später successive noch 4 Zimmer vom Nachbarn Bertram hinzugemietet.

Der Sohn als Vertreter der Firma auf Kundensuche

Damit bin ich aber schon in die Jetztzeit hineingekommen und muss nun auf das Jahr 1867 zurückgreifen. Als ich Pfingsten dieses Jahres - auf Veranlassung meines Vetter’s Gustav Ersing, der als Konditorgehilfe dort conditionierte (? )- zum ersten Mal, es ging damals noch über Düsseldorf nach Köln, kam, logierte ich, um ja nicht zu viel Spesen zu machen, bei einem entfernten Verwandten, dem mein Vater einige Male mit Geld ausgeholfen hatte.

Der einzige Kunde meines Vater’s war ein Herr Ferdinand Mayer, Lastingweberei und Schäftefabrik aus St.Agathe. Als ich Pfingstdienstag früh zu ihm kam, sagte der alte freundliche Herr: „Ja, wenn jetzt der Sohn kIommt, muss ich doch mal sehen, eine Order zu recht zu machen“ und beschied mich auf den Nachmittag wieder, wo ich dann eine Order auf je 30 Dutz.10 m Nr.40 & 120 ( 14 & 38 rn/rn) halbleinen Stiefelband erhielt. Diese Kommission machte mir Mut und meinem Vater Freude. Inzwischen hatte ich mich in der Stadt umgesehen - Adressbücher gab es damals kaum, resp. sie waren nicht übersichtlich zusammengestellt- und erkundigte mich bei Herrn Mayer nach einigen Firmen die ich dann auch besuchte und auch bei einer einen kleinen Probe-Auftrag erhielt. Diese Firma (Schüddemayr) zählt heute noch zu unseren treuesten kleinen Kunden.

Als ich zum zweiten Mal nach Köln kam, machte ich einen Juden ausfindig, der ein en gros Geschäft in fast neu französischen und englischen Fabrikaten betrieb. Nach langem Zureden ließ er mir endlich ein paar Pröbchen Stiefelband ab, obgleich er behauptete, es habe doch keinen Zweck wir Deutsche brächten eine solche Ware gar nicht fertig. Ich nahm die Muster zu Hause aus, ließ Zugmuster vom Bandwirker Jessinghaus machen, denn einen Musterstuhl hatten wir damals noch nicht und erzielte bei meinem nächsten Besuch damit eine kleine Probe, die dann zu regelmäßigen Nachbestellungen Mannibach’s führten. So kamen wir sowohl bei Grossisten als auch bei Lederhändlern in ein regelmäßiges Geschäft und wurden lange Jahre die bevorzugten Lieferanten- auch der bedeutende Schaftfabrikant A.Schmitz ( später Walter Hermes ) nannte mich zwar einen Apotheker, kaufte aber regelmäßig.

Strunk % 051874/75 während meiner Dienstzeit ging ich ab und zu in Uniform zu der Kundschaft und schickte manche Order nach Hause oder brachte auch Gelder der Kunden oder die Wechsel, die ich einkassierte, mit. Später ist mir oft mit Lachen vorgehalten worden, wie ich in der ersten Zeit, um mehr Eindruck zu machen, im Zylinder gekommen sei. Die Kundschaft hatte sich im Stillen riesig darüber amüsiert. Als ich 1867 zuerst nach Wermelskirchen kam, bestanden dort nur 2 Firmen welche in der Hauptsache nur billige Lasting-schäfte, meist für Pirmasens fabrizierten, eine dritte war am Neuenhaus, eine Stunde von da. Dazu für diese Schäfte wurde ein billiges baumwollenes Band ( 14 rn/rn breit glatt ) und zum Laschen einfassen ein ganz ordinäres schwarz-weisses Lothband gebraucht, das Wechtigen oder Molinens & Co. lieferten. Wir bezogen es erst von Lekebusch & Co, dann Metzkes & Nourney so preis-würdig, daß wir einen hübschen Nutzen daran hatten und ich oft ganz zufrieden von Wermels-kirchen heimkehrte, wenn ich nur einige hundert Stück ( 662/3 m ) Lothband verkauft hatte.

Später ließen wir es auch jahrelang selbst machen. Eine Reihe von Jahren geriet es mir, auch bei den Plüschfabrikanten in Wermelskirchen hie und da einen Posten ??band abzusetzen. Etwa 1868 begann in Wermelskirchen die Fabrikation der Damen- Zugschäfte und brachte dies einen großen Bedarf in 13 rn/rn breiten Bändern mit Hohlloch, den zu befriedigen und an uns zu reißen, wir uns durch regelmäßige Besuche meinerseits und prompte gute Bedienung angelegen sein ließen. In Schwelm fanden wir ziemlich leicht Arbeiter für dieses Bändchen (Art.28 ½). Später fing aber ein Wermelskirchner Bandwirker an, diese Qualität und auch andere Sorten zu machen und riss durch seine Bekanntschaft und billige Lieferung einen immer größeren Theil des Bedarfes an sich. Erst als auch sächsische Konkurrenz in’s Spiel kam, stellte er die Fabrikation wieder ein.

Im Laufe der Jahre hatte sich die Angst der Fabrikanten und die Herstellung besserer Sorten Schäfte in Wermelskirchen so vermehrt, dass es uns möglich war immer noch einen hübschen Umsatz an diesem Platz zu machen. Erst mit dem riesigen Anwachsen der sächsischen Stiefelband-Fabrikation wurde das Geschäft immer schwieriger und unbedeutend für uns.

Schwierige Kundensuche mit Vertretern

Den ersten größeren Aufschwung im Allgemeinen nahm das Geschäft im Jahre 1870/71. Während des Krieges hatten wir ein hübsches und ein gutes Verdienst abwerfende Aufträge in breiten halbleinenen Stiefelbänder für einen Armee-Lieferanten ( Geh Aßmann ) in Neviges, die uns gerade inder Zeit sehr zu gute kamen. Dann fingen erst Lekebusch & Co.,von denen Vater derzeit meist die Baumwolle kaufte, später, resp.infolge dessen dass L&C (?) bei uns kauften, auch Molinens & Co und einige andere Barmer Fabrikanten an das extrafeine Kepperband Art.12 &17 bei ihren Kunden mit einzuführen und kamen wir dadurch zu einem so lebhaften Geschäft in dem Artikel, dass wir jahrelang außer Becken noch einen anderen Wirker beschäftigen konnten und später hörte das ganz auf.

Inzwischen hatte sich auch die Fabrikation der Lederschäfte mehr entwickelt und wir für die Herstellung der 19 m/m breiten Bänder in Schwelm einen fleissigen Arbeiter, Peter Hasenclever gefunden. Eine der ersten grösseren Abnehmer war die jetzt noch bestehende Firma C.J.Angerer in Wühlfrath. Nach dem Verbrennen des Hildebrand’schen Stuhles schlug Vater dem Hasenclever vor, ihm einen Bandstuhl für breite Stiefelbänder ( Nr.120=38 m/m) bauen zu lassen, den er allmählich abverdienen könne, wenn er mit dem neuen Stuhl bei Bergmann in Heckinghausen, einem alten Freunde Vater’s, der uns auch die Eisengarnriemen machte, an den Dampf setzen wollte. Das geschah denn auch. Hasenclever brachte einen tüchtigen und fleissigen Gesellen (Nieland, er ist heute noch der fleissigste Arbeiter in uns.Sched) mit, der den neuen Stuhl bediente und accurate Ware machte. Mit dem Abverdienen des Stuhles haperte es aber trotzdem im Laufe der Jahre, weil die Familie Hasenclever sich zu rasch vermehrte und das Verdienst damit nicht gleichen Schritt hielt.

Durch die Anschaffung dieses Stuhles kamen wir aber wesentlich voran, so dass wir auch den im gleichen Raum mit seinen Stühlen stehenden Arbeiter Joege immer mehr Arbeit geben konnten. Dagegen war die Nachfrage nach Eisengarnriemen lange Zeit so gering, dass wir sie jahrelang nicht mehr selbst machten, sondern erst von Wandhoff, dann von Bünger und schließlich von Kühler & Stock bezogen. Erst als die Schnürschuhe wieder mehr in die Mode kamen und Gebr. Stommel anfingen, die Fabrikation der Riemen zu forcieren, waren auch wir gezwungen die Fabrikation wieder aufzunehmen und fingen an in der Kirchstrasse das Schneiden, Anklopfen etc. dasselbe wenigstens teilweise selbst zu machen. Von da ab hatten wir erst eine bessere Auswahl und mehr Umsatz darin. Später, wenn Gebr. Stommel wieder diejenigen, die die Moces Riemen zuerst mit auf den Markt brachten, um sich bei den Großisten recht in’s Geschäft zu bringen, verstanden, weil sie die Riemen in hübscher, eleganter Aufmachung und Verpackung brachten.

Ich dehnte meine Reisen immer weiter aus, so dass ich 1874, als ich am 10.Oktober nach Köln ging um meiner einjährigen Dienstpflicht zu genügen, schon so ziemlich alle Hauptplätze Deutschlands, außer Ostpreußen besucht hatte.

Vertreter hatten wir lange Jahre nur zwei, einen in Hamburg, Sams Hildesheim. In den ersten 15 Jahren machte er ja ganz nette Aufträge, dann ließ es nach, weil er zu wenig Fühlung mit der Kundschaft behielt, er hatte keine anderen Vertretungen mehr, teils weil er’s nicht mehr nötig hatte. Schließlich wurde er durch Asthma gezwungen die Arbeit ganz dran zu geben, nachdem er doch ca. 25 Jahre für uns tätig gewesen war.

Fast ebenso lange, aber etwas später arbeitete für uns Lamitz Meden in Kopenhagen. Ein tüchtiger, gut eingeführter, angenehmer Herr. Weder mein Vater noch ich lernten ihn persönlich kennen. Erst gegen 1900 legte er unsere Vertretung nieder, weil sie ihm zu wenig einbrachte und er sonst zu viel hatte.

Auch Hermann Friedberg vertrat uns eine lange Reihe von Jahren für Frankfurt am Main & Offenbach, er war aber nicht sehr beliebt und machte daher kein großes Geschäft.

Einige Jahre arbeitete für uns H.A.Klemin in Erfurt, Jul.Knöfel in Dresden, A.Stoos in Stuttgart, erzielten aber verhältnismäßig wenig. Emil Heerklotz in Döbeln reiste eine zeitlang provisionsweise in Sachsen und Schlesien für uns, schaffte uns aber zu viel Schwierigkeiten und Differenzen mit der Kundschaft. In Kassel machten wir etwas mehr dadurch, dass Schwager Eigenbrodt Lager unterhielt und mit den Lederhändlern durchwegs gut befreundet war.

 Im Jahre 1874 begann Schwester Emma sich in die Komptoire-Arbeiten einzuleben, damit sie diese während meiner Dienstzeit besorgen könne. Das tat sie denn auch und blieb später noch weitere 9 Jahre meine treue Mitarbeiterin, bis Schwester Bertha heiratete und sie deshalb in den Haushalt übergehen musste. Ich konnte in den Jahren manches mit ihr überlegen und nahm sie auch später noch in Rath, weil sie ein reges Interesse und Verständnis für das Geschäft behielt.

Als ich 1875 vom Militär zurückkehrte, setzte mein Vater M 2400.-aus und als ich mich 1878 verlobte versprach er mir M 3000.- und ein Sechstel vom Reingewinn. Im Jahre 18?? nahm er mich als gleichberechtigten Associé auf, nun waren seine Geschäftseinkünfte dadurch, dass er den grössten Teil des Kapitals besaß, natürlich wesentlich größer.“

Firmenübergabe

„Im Jahre 1893 sprach Vater den Wunsch aus sich vom Geschäft zurückzuziehen. Er wollte es mir und Johannes überlassen, selbst aber noch wie bisher mit Binden und Einschlagen tätig bleiben. Infolgedessen vereinbarte ich mit Johannes, wie früher auch mit Vater, einen neuen 10-jährigen Kontrakt, der mich aber als älteren Bruder mit Familie ihm gegenüber wesentlich besser stellte. Vater bekam Prokura, hat sie aber nur sehr selten gezeichnet. Seine Gesundheit wurde allmählich doch etwas wackelig, trotzdem erfreute er sich bis zu seinem Tode einer verhältnismäßig großen Rüstigkeit und war so fleißig, dass man ihn alltags kaum bewegen konnte einen Spaziergang mitzumachen.

Er war immer sehr dahinter, dass die Aufträge, besonders die größeren, für die kleinen hatte er wenig Sympathie, flott expediert wurden und ist das gewiss ein gutes Mittel die Kunden festzuhalten. Bis zuletzt blieb es sein Haupt-Sonntags-Vergnügen, die Nachmittage in meinem Hause resp. in Gesellschaft meiner Frau und Kinder, die ihn alle sehr gern hatten, zu verbringen und einen Spaziergang mit uns zu machen. Seine letzte Krankheit ( Lungenentzündung) war nur eine kurze und sein Tod ein leichter. Wie er in früheren Jahren unter dem schweren Druck der Verhältnisse oft schroff, ja hart sein konnte, so war er in den letzten Jahren seines Lebens milde und zufrieden. So sparsam er - besonders für seine Person - war, so wenig hing er doch eigentlich am Gelde. Ich kann es mir nicht versagen dies durch einen Zug näher zu beleuchten.

Als ich 1892 nach der Operation und langen Krankheit mit meiner Frau über die colossalen Kosten gesprochen und diese ihn davon erzählt hatte, kam er am Sonntag darauf zu mir und sagte: "Hermann, ich höre Ihr habt Euch Gedanken wegen der Kosten gemacht und ich bin so froh und glücklich, dass alles so gnädig vorüber gegangen ist und bitte Dich deshalb beil. Papiere von mir anzunehmen". Als ich näher zu sah, waren es M l2.000.-Preuß.Consols, wovon ich M 2000,- mit herzlichen Dank annahm, ihn aber M 10.000,,- zurückgab, weil ich es meinen Geschwistern gegenüber nicht verantworten konnte ein solch' großes Geschenk anzunehmen.

Sein Leben war reich an Sorgen, Mühe und Arbeit, voll Kampf und Leid, aber doch auch wieder voll Glück und Freude - ein reich gesegnetes. Schon bei Lebzeiten hatte er uns Kinder, um die Steuer zu ersparen, je einige tausend Thaler geschenkt, bei seinem Tode erhielt aber noch jedes Kind ca. M 50.000.-, sodass Johannes und ich mit unseren Ersparnissen in der Lage waren das Geschäft mit unseren Mitteln weiter zu führen.” 

Peter Carl Strunk starb am 15. Februar 1895.