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Version 1.07.03
© ZeitLebensZeiten
2007 ff.
 

Herm. R. Smend - Katharina E. Kriege

SMEND Hermann Rudolf „der Pastor in Tecklenburg“-137 wurde am 04. Januar 1730 in Palsterkamp bei Dissen geboren. Seine Eltern waren SMEND Florens Bernhard „der zweite Palsterkamper“-163 und KRIEGE Margarete Elsabein-164 

Er starb am 07. Dezember 1819 in Lengerich.

Hermann Rudolf Smend, sammelte als erster der Familie Nachrichten über das Geschlecht Smend und legte sie in einer Zeitgeschichte nieder. Am 31.8.1750 war er Student der Theologie an der Universität Groningen, seit 1755 war er Zweiter Pfarrer in Lengerich/Tecklenburg (widersprüchliche Angaben bei Smend Geschlechterbuch bzw. Pfarrerbuch von Baucks) und und ab 28.1.1768 Erster Pfarrer. 

Tecklenburg hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich.

Hermann heiratete KRIEGE Katharina Elisabeth-138 Tochter von KRIEGE Jacob E.-165 und MEESE Anna Christine-166 am 14. Dezember 1759 in Lengerich. Katharina wurde 1739 in Lienen geboren. Sie starb am 08. Juli 1795 in Lengerich.

Hermann und Katharina hatten die folgenden Kinder zu Lengerich bei Tecklenburg geboren [Details: DGB, Band 46]

1.SMEND Margarethe Christine, 

2.SMEND Friederike Luise

3.SMEND Sophie Elisabeth, 

4.SMEND Wilhelmine Agnese, 

5.SMEND Florens Jacob-84 wurde am 18. September 1777 geboren.

6.SMEND Friedrich Hermann, 
 

Geschichten zu einzelnen Vorfahren von Luise Torhorst, geb. Smend, fanden sich in der Chronik der Hasenkamps, die der Nachkomme Siegfried Torhorst archiviert hatte und zur Auswertung zur Verfügung gestellt hat. Über Hermann Rudolph Smend heißt es in dieser Hasenkamp-Chronik, die ein seltenes und viele Einblicke in jene Zeit des 18. Jahrhunderts gewährt:

„ Hermann Rudolf Smend ist ein charaktervolles Glied in der Geschlechterfolge der Smend gewesen. Wir Hasenkamp müssen uns freuen, daß etwas von seinem Blut in unsern Adern rollt, und daß durch die Ehe seiner Kinder mit den Kindern unseres Duisburger Ahnen Johann Gerhard Hesenkamp eine innige Verbindung unserer Sippe mit der durch ihr Alter, ihre Vielästigkeit und manohen berühmten Namens hervorragenden Sippe Smend geschaffen worden ist... Superintendent i.R.D. Gottfried Smend in Godesberg... hat ..eine treffliche Biographie des Smendschen Ahnen Jan de Gruytere (Janus Gruterus), eines berühmten Professorsder Geschichte in Heidelberg (~ 1627) verfaßt. Von seiner Hand stammt auch das Manuskript der Lebensbeschreibung des Ahnen Hermann Rudolf Smend, aus dem ich den folgenden Auszug gebe [der Unterschied zwischen Zitat und eigenem Text wird in der Chronik nicht deutlich].

Rudolph wird Prediger

...Hermann Rudolf Smend, am 4.1.1730 in Palsterkamp geboren wurde wohl bei sainem Oheim in Lengerich erzogen. Hier, wo seines Vaters Bruder, Ernst Smend, Pastor war und auch 2 Brüder seiner Mutter lebten, der kinderreiche Postmeister Friedrioh Kriege(Schwiegervater von Rektor Joh.Gerhard Hasenkamp) und der kinderlose Bürgermeister Rudolf Kriege, besuohte der junge Rudolf Smend die Lateinschule. Später studierte er Theologie in Groningen. Dann holländisohe Theologie, orthodoxer Calvinismus beherrschten damals die kleine reformierte Landeskirche von Tecklenburg. Mit ganzer Überzeugung hing er zeitlebens dem strengen calvinistischen Lehrbegriff, besonders der überspitzten Lehre von der Gnadenwahl, an.

1755 wurde Rudolf Smend zweiter Prediger in Lengerich. Sein Sohn sagt von ihm, er sei ehrenfest gewesen, von altem Schrot und Korn, ein Gegner aller Neuerung in der Lehre und im Gottesdienst, eifernd für die Lehre von Gottes Gnade und der gänzlichen Verderbtheit der Menschen; dabei treu im Gebet, ernst im Wandel, streng in seinem Hause und gegen sich selbst. Ein fleißiger Mann, arbeitete er alle seine Predigten sorgfältig aus und schrieb zu seiner eigenen Anregung und Fortbildung ganze Bände theologisoher Abhandlungen. Da ein Pfarrhaus unbewohnbar geworden war, kaufte er ein schönes, geräumiges Raus in der Münsterstraße an, in dem dann durch Generationen die Pastoren Smend lebten und wirkten, und das heute noch als Pfarrhaus dient.

 

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Gattin und Kinder

Im Hause seines Oheims, des Kaufmanns und Bürgermeisters Eberhard Jakob Kriege in Lienen, gewann er Herz und Hand der ältesten Tochter, seiner Base Katharina Elisbeth Kriege. Am 14.11. 1759 führte er die zwanzigjährige Braut heim. Ihr Bild im Smendschen Geschlechterbuch mutet heute nochbesonders sympathisch an. Sie war wohl nicht so klug, so herb, so originell wie ihre Base Anna Elisabeth Kriege, Johann Gerhard Hasenkamps Gattin, dafür aber weiblich anziehend, fein und edel. Jedenfalls verdienen beide Ahnenmütter aus der Sippe Kriege die Hochschätzung der Nachkommen Hasenkamp von Geschlecht zu Geschlecht.

Katharina Elisabeth schenkte nach 6 Jahren des Wartens ihrem Gatten Hermann Rudolf Smend erst fünf Töchter, alsdann 2 Söhne. Als die fünfte Tochter, Wilhelmin.e Agnese (als Gattin von Christ.Herm.Gottfried Hasenkamp unsere Ahne geworden!) am 5.9.1774 geboren wurde, soll der Vater, der sich sehnlichst einen Sohn gewünscht hatte, etwas betrübt ausgerufen haben: „Werr on Wicht!" ("wieder ein Mädchen").Am 18.9.1777 erschien dann endlich als erster Sohn und Stammhalter Florens Jakob (später der Gatte von Friederike Hasenkamp, geb.15.11.1776 in Duisburg). Das jüngste Kind war Friedrich Hermann Smend, geb 24.1.1780 (starb als Kaufmann in Bremen 25.7.1843. Seine 3 Töchter, Basen unseres Großvaters Hasenkamp, haben sämtlich Bremer Kaufleute geheiratet..

Doch zurück zu dem Lengericher Ahnenpaar! Ihre Ehe war sehr harmonisch und glücklich. Die Kinder blieben bis auf das 2. Töchterchen, das bald nach der Geburt starb, alle am Leben und wuchsen heran zu der Eltern Freude" erzogen zu Fleiß, Tüchtigkeit, Sparsamkeit und Gottesfurcht. Die Töchter müssen sehr stattliche Mädchen gewesen sein. Sie Spannen, webten und bleichten ihr Leinen selbst. (Zwei von ihnen heirateten zwei Brüder Banning in Lengerich)... 

Hasenkamps ziehen ins Smend’sche Pastorat 

Im Jahre 1795 aber kehrte in das Smendsche Pfarrhaus tiefe Trauer ein. Die Hausmutter, Katharina Elisabeth, erkrankte und starb am 8.Juli nach einigen schweren Leidenswochen. Tief erschüttert stand der Gatte an ihrer Bahre im Kreise seiner Kinder. Aber er war auch stark und gefaßt in seinem Gott. Einen tiefen Blick in sein Herz läßt uns ein Brief tun, den er am 15. Juli an seinen Sohn Florens nach Frankfurt (Oder), wo er damals studierte, geschrieben hat. Ein Brief, der zugleich bedeutsame Mitteilungen über Schicksale der Familie Hasenkamp enthält:

‚Lieber Florens! Gott hat mich nach seiner Gnade wunderbar gestärkt, daß ich mich von dem letzten Kummer so weit erholt habe, daß ioh über meinen Verlust vernünftig nachdenken kann. Er hat es nach seinem weisen Rate gewollt, daß ich über meine wohl zu sehr geliebte Gattin weinen soll, und Dank sei seiner weisen Fügung daß sie die Tränen nicht über mich vergießen muß. In ihrem Leben war mir das geringste Leiden härter als das Herbste, was mich traf. Könnte ich denn jetzt wohl anders denken.Sollte ich Gott nicht danken, daß er sie von allem Ubel erlöst und ihr ausgeholfen hat zu seiner ewigen Freude? Könnte ich sie wohl in dies Leben, so sehr mir auch ihre Gegenwart fehlt, zurückwünschen? Ich müßte sie nicht lieben, wenn ich das könnte, und diese Liebe ist stärker als der Tod. Unserm lieben Minchen (Wilhelmine Agnese, später Frau von Hermann Hasenkamp) wird der Verlust hart und ihr schwacher Körper leidet dabei. Gottw wird geben, daß sie nach und nach gestärkt wird. Die Jungfer Nichte Friederike Fiederike Hasenkamp (geb.1716) ist bei uns eingezogen und leistet uns sehr großen Beistand. Ihre Frau Mutter (die Witwe von J.G.F.Hasenkamp) ist bei dem ältesten Ohm (Kriege) in Lienen und führt ihm die Haushaltung. Hermann Hasenkamp (Christoph Hermann Gottfried, geb. 1174,später "Minchens"Gatte) bessert sich und wird folglich wohl mit der Zeit nach Kappeln (Westerkappeln zu seinem Schwager Pastor Stapenhorst) kommen’

In das mutterlose Pfarrhaus zog zur Pflege des Witwers und zu Minchens Unterstützung Friederike Hasenkamp, neunzehnjährig, ein. Als nach einigen Jahren der alte Ohm Kriege in Lienen starb, siedelte auch Friederikens Mutter, Anna Elisabeth Hasenkamp nach Lengerich in das Smendsche Pastorat über, um die Führung des Haushalts zu übernehmen. Über 40 Jahre lang blieb dann noch unsere originelle Ahne des Smendschen Hauses Lenkerin und guter Geist, hochgeschätzt von Kindern und Kindeskindern“

Eine junge Liebe

Florens Smend war schon als Schüler in enge Berühruung mit dem Hause Hasenkamp in Duisburg gekommen. Sein Vater sandte ihn aus besonderem Vertrauen zu dem Rektor Friedrich Arnold Hasenkamp auf das Gymnasium in Duisburg. Anna Elisabeth Hasenkamp aber nahm ihn freudig in die Hausgemeinschaft auf. Als Florens dann, Kandidat der Theologie geworden, im verödeten Lengerichschen Vaterhause Friederike Hasenkamp wiedersah, erwuchsaus der Jugendfreundschaft eine Herzensminne. Zur großen Freude des Vaters verlobte er sich mit Friederike. Ihr Bruder Christoph Hermann Gottfried Hasenkamp, auch zur Kandidatenwürde herangereift, besuchte natürlich, so oft er nur konnte, seine Mutter und Schwester im Smendschen Pastorat. Das jüngste, noch daheim verbliebene Smend-Töchterlein, das zarte, sinnige Minchen (Wilhelmine Agneee) stahl ihm das Herz. Auch ihn hieß Vater Smend mit freudigem Vertrauen willkommen, allerdings, wie die Uberlieferung des Hauses Smend berichtet, nicht ohne Sorge wegen Hermanns oft schwankender Gesundheit.

Von den beiden Geschwister-Brautpaaren errangen Hermann Hasenkamp und sein Minchen das Ziel. Am 24.Sept.1800 wurde ihre Hochzeit gefeiert.Friederike Hasenkamp und Flo;rens mußten länger warten. Am 5. Juli 1803 hat Vater Rudolf Smend auch ihnen ein fröhliches Hochzeitsfest bereitet und dabei eine Traurede gehalten.., eine halbstündige Predigt, die für den lehrhaften Geist und Stil des ehrwürdigen Predigers charakteristisch ist.

Im Ruhestand

Nur mit Mühe wird Rudolf Smend die Traurede gehalten haben. Er stand im 8. Jahrzehnt. Anfälle von Schwindel und zunehmende Taubheit zwangen ihn 1802, sein Amt aufzugeben. Einsam wurde es um ihn. Minchen und Hermann Hasenkamp waren 1800 nach Lotte übergesiedelt. Florens und Friederike zogen 1803 mit der Mutter Hasenkamp nach Wetzlar. Aber sein Leben blieb doch heiter und sonnig. Seine Gesundheit festigte sich. Bis ins höchste Greisenalter blieb er im Vollbesitz seiner Geisteskräfte. Für jeden Senntag arbeitete er noch sorgfältig eine Predigt über eine Frage des Heidelberger Katechismus aus, obwohl er nie mehr auf der Kanzel stand. Überhaupt blieb der Umgang mit dem Worte Gottes sein Tagewerk.

Familienfeste

Gern machte der Greis seinen Lieben Freude. Er konnte es tun, denn er lebte in guten Verhältnissen, seit er mit seiner Frau von ihrem Vater Kriege ein sohönes Vermögen geerbt hatte, das er peinlich genau, aber auch weitherzig und freigebig verwaltete. An seinem Goburtstag, dem 4. Januar, mussten stets sämtliche Kinder, Schwiegerkinder und Enkel zu festlicher Bewirtung bei ihm sein. Die Kinder aus Ledde, Lotte, Kappeln und Bremen stellten sich ein, die fröhlichen Enkel Smend, Hasenkamp, Banning und Stapenhorst, auch Verwandte aus Lienen und Ibbenbüren. Es wurde sehr festlich gegessen und getrunken und abends mit großem Schokoladetrinken das Fest beschlossen. Zum Nachtisch brachte der Vater einen Toller mit Gold- und Silberstücken. Jedes der Verheirateten bekam einen Doppel-Louisdor, die Unverheirateten einen einfachen, die Enkelkinder jedes einen Konventionstaler.

Lebensausklang

Zuletzt durfte er noch die Freude erleben, daß sein Sohn Florens mit Friederike, ihren Kindern und ihrer Mutter Anna Elisabeth aus Wetzlar nach Lengerich wohin Florens endlich als Presiger gewählt war, in sein Haus zurückkehrten. Er empfand und pries das als eine besondere Gnade Gottes. Die Unruhe, die seine Enkel ins Haus brachten, störte ihn bei seiner Taubheit nicht. Gern sah er sie um sich. Die jüngsten Enkel, Friedrich und Gottfried, waren seine Lieblinge, denen er oft einen "guten Groschen" schenkte, damit sie sich einen Honigkuchen kaufen konnten. Von dem etwas unruhigen, begabten und aufgeweckten Julius dagegen sagte er wohl "Jck haule nix van de Schanies".

Mit seinem Sohn Florens war er zweimal unzufrieden einmal als er die rohen Bretter, die in der Studierstube die Decke bildeten, hatte an streichen lassen, und dann als er ihm in seiner letzten Todeskrankheit bei bitterer Kälte einen Ofen hatte ins Schlafzimmer setzen lassen. Denn das eine hielt er für Verschwendung, das andere für Verwöhnung.

Sehr dankbar gegen Gott, fest und freudig in seinem Christenglauben, erwartete er sein Ende. An den Folgen eines Schlaganfalls entschlief er sanft und ruhig am 7. Dezember 1819, kurz vor dem 90. Geburtstag ein.“ [Hasenkamp-Chronik. Quelle: Siegfried Torhorst]

 

Kirche und Religion und Nationalismus - keine gute Verbindung

Was hier im vorstehenden Lebensbild nur zaghaft angedeutet wird, ist die unselige Verquickung von Poilitik, Religion, Pietismus, Nationalismus und Engstirnigkeit, die eben auch ihren Platz hatte in den vielfältigen Verflechtungen der Tecklenburger Familien Snethlage, Smend, Kriege, Banning, Hasenkamp u.,a.m. Dr, Wilhelm Wilkens hat auf der krichengeschichtlichen Seite des Internetauftritts der Kirche in Lienen dazu die richtigen Erklärungen und Bewertungen angeboten. Sie seien ihrer Bedeutung wegen zitiert:

1702 wurde Lienen preußisch, 1707 ebenso die Altgrafschaft Tecklenburg. Der Übergang an Preußen war ein einschneidendes Geschehen. Den Synoden wurden die ihnen bisher zustehenden Zuständigkeiten entzogen. An die Stelle der reformierten Synodalverfassung von 1587/1619 trat 1713 die preußische Inspektionsordnung und das preußische Kirchenregiment in Form der königlichen Regierung in Lingen. Da wurde von oben herab verordnet, was zu tun war. Von einer kirchlichen Selbstverwaltung hielten die Preußen nichts. Die Tecklenburger konnten sich begreiflicherweise auch nur schwer mit dem preußischen Befehlston anfreunden.

Die kritische Einstellung den Preußen gegenüber wandelte sich mit Beginn des 19. Jahrhunderts. Man war die französische Fremdherrschaft mit ihren Kontributionen leid. Als am 9. November 1813 die preußischen Truppen in Verfolgung der Armee Napoleons in Lienen einzogen, wurden sie unter dem Jubel der Bevölkerung mit Glockengeläut begrüßt. Zahlreiche junge Männer meldeten sich freiwillig zur Armee, um dem verhaßten Napoleon das Genick zu brechen. Der preußisch-deutsche Nationalismus wird so erstmals greifbar.

Friedrich Andreas Snethlage wird in der Chronik der Lienener Kirchengemeinde als ein "gewaltiger Mann und kernfester Patriot" charakterisiert. Der preußisch konservative Typ des Pfarrers bildete sich aus. Seine vornehmste Aufgabe neben Gottesdiensten und Amtshandlungen war, im Verein mit dem Amtmann für Recht und Ordnung, Anstand und Sitte zu sorgen, die Menschen der Gemeinde zu braven Staatsbürgern zu erziehen. Aus dem 19. Jahrhundert werden die verschiedensten Erzählungen über die Lienener Pfarrer berichtet. Sie kreisen fast alle um Fragen, die Alkoholgenuss, Kartenspiel, Tanzlustbarkeiten, Sexualität und Sonntagsheiligung betreffen.

Das Pfarreinkommen war bescheiden. Dennoch konnten sich die Lienener Pfarrer einiges leisten. Entweder kamen sie aus vermögenderen Verhältnissen oder heirateten entsprechend. Schon Conrad Klinge (1608-1647) konnte im Dreißigjährigen Krieg westlich neben dem heutigen Haus Brüseke am Kirchplatz, von diesem durch einen schmalen Gang getrennt, ein eigenes Häuschen errichten. Sohn Eberhard, Pfarrer in Schale, verkaufte es 1667 an seinen Bruder Theodor, den Küster und Schulmeister in Lienen. Das Haus wurde 1908 abgebrochen. Eberhard Samuel Snethlage konnte 1707 den gräflichen Strackenhoff kaufen und für seine Erben in Stand setzen. Dieser Hof hat einmal eine bedeutsame Geschichte gehabt. Nachdem er niedergebrannt ist, liegt er heute an der Glandorfer Straße als Ruine. Auch der erste 2. Pfarrer Lienens, Hermann Kriege, gehörte nicht zu den Armen. Er errichtete sein Haus an der Hauptstraße, in dem heute u.a. die Drogerie zu finden ist. ..

Die Pfarrer des 19.Jahrhunderts vertraten als preußische Staatskirchenbeamte einen konservativen Protestantismus. Sie standen auf preußisch-obrigkeitlicher Seite. Da blieben Konflikte nicht aus. Wer hätte es für möglich gehalten, dass die Revolution von 1848 in Lienen ein so starkes Echo fand? Wie angespannt die Situation war, zeigen die damals erscheinenden Reime des Bauern Schmedt auf der Günne in Holzhausen oder die Aufzeichnungen des Bauern Schowe aus Kattenvenne. Beide waren keine Kommunisten, sondern demokratisch gesinnte Christen. Sie klagen die Pfarrer an, daß sie herrschen und die Gemeinde knechten wollten, anstatt ihren Dienst dem Evangelium gemäß als einen Dienst der Liebe zu begreifen.

Tatsächlich hatte die Pfarrerschaft des 19.Jahrhunderts wenig Blick für die kleinen Leute und ihr soziales Abseits. Das 19.Jahrhundert ist das Jahrhundert der Auswanderung nach Amerika, und auch das Jahrhundert der aufblühenden Industrie, die aber die Vielzahl der Menschen nicht in Arbeit und Brot bringen konnte und zu Hungerlöhnen arbeiten ließ. Als Ernst Holtmeier 1848 in Lienen ordiniert und ins Pfarramt eingeführt werden sollte, ging das Gerücht, daß sozialistische Aufrührer die Kirche stürmen wollten. Es ist das dann nicht geschehen. Die revolutionären Umtriebe hatten Grund. Denn Holtmeier war mit dem sehr reaktionär eingestellten Lienener Amtmann Stoppenbrink befreundet.

Politisch standen die Pfarrer des 19.Jahrhunderts rechts. Das zeigt ein Wort des Superintendenten Smend - 42 auf der Kreissynode 1871

"Das deutsche Volk hat sein göttliches Recht, seine verlorene Machtstellung, zurückerobert (Sieg über Frankreich 1870/71). Die germanischen Völker, welche den romanischen gegenüber die große Mission haben, die Welt zu lehren, wie man Gott im Geist und in der Wahrheit dienen soll, erscheinen nun desto mehr als die berufenen Werkzeuge göttlicher Weltregierung. Die Hohenzollern haben nach Gottes Geheiß das Vaterland gerettet und vereinigt".

Das sind nationalistische und dazu noch rassistisch gefärbte Töne. Sie sind keine Ausnahme. Sie zeigen, dass der Protestantismus, hier gerade die Pfarrerschaft, zu Wegbereitern des Nationalsozialismus werden konnte. Hermann Holtmeier ist 1919 in tiefer Depression gestorben, daß der Krieg verloren war, dass Gott offenbar nicht mit den Hohenzollern war. Das Studium der Zeit zeigt, wie tief die Kirche in die Irrungen und Wirrungen des 19. und dann auch der ersten Hälfte des 20.  Jahrhunderts verstrickt war. Der innere Zerfall der Volkskirche ist in dieser unglückseligen Vergangenheit angelegt.

Inhaltlich vertraten die Pfarrer des 19. Jahrhunderts die Linie einer orthodoxen protestantischen Dogmatik. Es galt Bibelverse, Katechismusstücke und Gesangbuchverse einzutrichtern. Die wieder und wieder gehörte Redeweise "das mußt du eben glauben" charakterisiert die Art der Übermittlung der kirchlichen Lehre. Dass die Pfarrer dabei von der Richtigkeit und auch von der Wahrheit der Lehre überzeugt waren, sollte man nicht in Abrede stellen.

1830 waren alle Kirchengemeinden des Kirchenkreises der Union beigetreten und hatten die Konfessionsbezeichnung "reformiert" abgelegt. Seitdem nennt sich unsere bis dahin "evangelisch-reformierte Kirchengemeinde Lienen" einfach "evangelische Kirchengemeinde Lienen". Schwieriger war die Durchsetzung der Unionsagenda mit ihren liturgischen Wechselgesängen. 1861 ist sie erst in Ibbenbüren, Lengerich und Lienen eingeführt, ein Zeichen der Obrigkeitstreue der Lienener Pfarrer. Die mußten sich freilich auf lange Zeit mit dem Protest der Gemeindeglieder abfinden, die nicht gewillt waren, eine solche "katholische" Liturgie mitzumachen. Sie betraten die Kirche erst zum "zweiten Singen", dem Lied vor der Predigt. Diese Praxis kam erst mit dem 2. Weltkrieg an ihr Ende.

Einer unter den Pfarrern des 19. Jahrhunderts hebt sich aus der Schar der anderen durch seine Eigenart heraus. Es handelt sich um Christoph Hasenkamp (1816-21). Er war nur fünf Jahre in Lienen und bei seinem Dienstantritt nicht einmal von der ganzen Gemeinde erwünscht. Er war ein Vertreter des Pietismus, einer Frömmigkeitsbewegung, die auf die Herzen der Menschen zielte. Hasenkamps Wirken hat seinen besonderen Ausdruck gefunden in dem sogenannten "Blauen Liederheft" zum Konfirmationsgottesdienst. Das waren unwahrscheinlich lebendige von Schüler- und Katechumenenchören im Verein mit den Konfirmanden und der Gemeinde gestaltete Gottesdienste.

Dieser Pietismus war Ausdruck der tiefen Sehnsucht nach einem überzeugenden Christentum, einem Glauben, der Herz und Gemüt des Menschen ergreifen und sich festmachen will in dem bewussten Bekenntnis zu dem einen Gott und seinem Christus. Charakteristisch ist die gefühlsbetonte Frömmigkeit, ein sich Versenken in das heilige Opfer, das Jesus für uns am Kreuz vollbracht hat. [Quelle: Dr. Wilhelm Wilkens, in: ev-kirche-lienen.de]

Auch wer sich bemüht, das Handeln früherer Generationen in ihrem jeweiligen Kontext zu sehen, wird sich dort kritischen Einschätzungen nicht verweigern dürfen, wo die (damals vielleicht für die Handelnden nicht absehbaren) Folgen weltanschaulicher Prägungen zu Totalitarismus, Demokratiefeindlichkeit und zu einem kompromißlosen Politikverständnis und unmenschlichem Handeln führt. So waren eben auch unter den Vorfahren bzw. Familienmitgliedern der Tecklenburger Familien auch jene, deren man sich sehr kritisch widmen muss.

 

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